VIDEO | Der Sommernachtstraum Mahlers

150 150 Beatrice Berrut

Vollendet hat Mahler seine dritte Symphonie 1896 in seinem Komponierhäuschen in Steinbach am Attersee; in diesem Ort verbrachte er zu jener Zeit seine Sommerurlaube, und sass jeden morgen ab 6.30 am Schreibtisch. Er äußerte sich über dieses Werk in Briefen und Gesprächen ausführlicher als über jede andere seiner Kompositionen. Die Symphonie sei eine Arte Schöpfung. Es schwebte ihm eine regelrechte Kosmologie vor, die er in Musik zu setzen gedachte: von der unbelebten Materie über Blumen, Tiere, den Menschen und das Engelreich bis hin zur allumfassenden göttlichen Liebe. Ursprünglich hatte er vor, den sechs Sätzen charakterisierende Titel zu geben: „Pan erwacht. Der Sommer marschiert ein“, sollte der erste Satz lauten. Dann ging es weiter mit: „Was mir die Blumen auf den Wiesen erzählen“, „Was mir die Tiere im Walde erzählen“, „Was mir der Mensch erzählt“, „Was mir die Engel erzählen“ und schließlich „Was mir die Liebe erzählt“. Auch wenn Mahler sein Programm später zurückzog (wahrscheinlich weil er Angst vor Fehldeutungen hatte), kann dessen Kenntnis zum Verständnis der Musik nicht schaden.

“ Meine Sinfonie wird etwas sein, was die Welt noch nicht gehört hat! Die ganze Natur bekommt darin eine Stimme und erzählt so tief Geheimes, das man vielleicht im Traum ahnt…“
Gustav Mahler (1860-1911)

„Es ist das Unbekümmertste, was ich je geschrieben habe – so unbekümmert, wie nur Blumen sein können.“
Gustav Mahler ( 1860 – 1911 )

Die Blumen

Nachdem im ersten Satz die Natur zum Leben erwacht ist, kommen nacheinander die verschiedenen Lebensformen zu Wort – in aufsteigender Reihenfolge. „Tempo di Menuetto“ ist der zweite Satz überschrieben, und er handelt von den Blumen: „Es ist das Unbekümmertste, was ich je geschrieben habe – so unbekümmert, wie nur Blumen sein können. Das schwankt und wogt alles in der Höhe, aufs leichteste und beweglichste, wie die Blumen im Winde auf biegsamen Stielen sich wiegen.“ Unbekümmert in der Tat wirkt diese Musik, auch etwas altertümlich. Sie atmet, wie sonst kaum etwas in Mahlers Schaffen, einen Alt-Wiener Charme, besitzt die Gemütlichkeit eines handkolorierten Märchenbuchs.

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