Liszt Athanor : Klavierkonzert 1 & 2, Totentanz

Athanor: von התנור (ha tanur), der Ofen.
Der Athanor ist ein Ofen, den die Alchimisten für ihre Suche nach der philosophischen Materie verwendeten und der für die Reifung des Opus magnum unerlässlich war. Im weiteren Sinne ist der gebärmutterähnlich gestaltete Ofen auch zum Symbol alchimistischen Strebens nach dem Absoluten und Perfekten geworden. Und genau hierin stimmen die Alchemisten mit Liszt überein. Er, der sich nie zufrieden gab, behauptete, dass „sich der wahre Künstler durch beharrliches Streben nach dem Allerbesten auszeichnet“. Dieses Streben hatte nicht nur eine rein ästhetische, sondern auch eine ethische Dimension, wie er anlässlich von Paganinis Tod bemerkte: „[…] Die Begeisterung für das Schöne, welche der Liebe zum Guten so Nahe steht, in den Gemüthern wecken und nähren, – das ist die Aufgabe, die der Künstler sich stellen muss.“

„Geh! Du bist ein Glücklicher! Denn Du wirst viele andere Menschen beglücken und erfreuen! Es gibt nichts Besseres, Schöneres!“

Beethoven über elfjährigen Liszt

 

Was bringt nun diese drei Werke in ein Album? Zunächst sind natürlich alle drei für Klavier und großes Orchester geschrieben. Auffallend an den beiden Klavierkonzerten ist, dass sie – verglichen mit anderen romantischen Konzerten – recht kurz sind, und dass die einzelnen Sätze ohne Zäsur direkt aneinander anschließen. Formell ist der Totentanz zwar ein wenig anders strukturiert – er besteht aus Variationen über das gregorianische Dies irae-Thema (die Vertonung der Totensequenz), er ist aber ebenfalls kurz und wird auch unterbrechungslos vorgetragen. Doch besteht meiner Meinung nach eine noch stärkere Verbindung zwischen den dreien als die formelle. Allen gemeinsam ist nämlich ihr besonders langes Heranreifen. Ganze 23 Jahre liegen zwischen dem ersten Entwurf und der öffentlichen Aufführung des ersten Klavierkonzerts, 22 Jahre zwischen den ersten Skizzen und der definitiven Veröffentlichung des zweiten Klavierkonzerts, und 20 Jahre zwischen der Rohfassung und der hier eingespielten Partiturversion des Totentanzes.

Über zwanzig Jahre gereifte Werke

Die sich über zwei Jahrzehnte hinziehende Entstehung dieser Werke in Liszts Athanor hat offenbar deutliche Wirkung gezeigt, denn ohne all die Jahre des Zweifelns und der ständigen Neuüberprüfung der Erstentwürfe wären die Konzerte sicher nie so perfekt gelungen. Ein weiterer, obwohl sicher überflüssiger Beweis dafür, dass Liszts schöpferische Arbeit nie ein Ende fand, sind Liszts handschriftliche Anmerkungen in den Studienpartituren seines Schülers Hans von Bülow. Auch nach der Veröffentlichung noch entwickelt sich das Werk immer weiter: Liszt, der, wie er zugab, in Varianten vernarrt war, zeichnet Taktstriche ein, fügt Noten hinzu und zeigt uns so, dass der Weg nie zu Ende ist …

Metanoia: Klavierwerke von Franz Liszt

Die Schweizer Konzertpianistin und Bösendorfer Artist Beatrice Berrut präsentiert ihr neues Album Metanoia mit ausgewählten Werken von Franz Liszt und entführt Sie auf eine Reise in die mystischen Klangwelten des ungarischen Komponisten. Eine Reise voller tiefgründiger Entdeckungen, Virtuosität und Verletzlichkeit. Metanoia – altgriechisch ‚μετάνοια‘, – tiefgreifende Veränderung des Seelenzustandes. Nach dem Schweizer Psychoanalytiker Carl Gustav Jung Wandlung und Heilung der Seele durch die Kräfte des Unbewussten, die in unserer Seele widerstreitende und widersprüchliche Elemente nebeneinander bestehen lassen.

Die Fülle und die Vielfalt des Klavierklangs, die Beatrice Berrut ihrem Flügel entlockt, ist dabei nicht minder imponierend wie der virtuose Tastenzauber, den sie entfaltet.

Klassik Heute Deutschland, Guido Krawinkel

 

Die Welt bleibt im Gleichgewicht dank dieser gegensätzlichen Werte. Er gesteht uns auch zu, voller Widersprüche, widerstreitender Schwärmereien, paradoxer Seelenzustände zu sein. Eine Parallele wird deutlich zwischen einer ‚metanoia‘, die in allen hier ausgewählten Werken vorhanden ist, und der großen Veränderung, die im Laufe von Liszts Leben vonstatten ging, als er vom Verführer zum Kanoniker wurde, mit der Komposition von Rhapsodien begann und schließlich Bagatellen ohne Tonart schreibt: Wir beginnen unsere Reise mit einem Kampf in den Flammen des Dante‘schen Infernos und beenden sie in der kontemplativen Ekstase der Consolations.

Was wäre Licht ohne Dunkel?

Die biblische Bedeutung von metanoia, ein Wandel, bei dem sich der Mensch der in ihm angelegten göttlichen Gegenwart öffnet, lassen, neben seinem Eintritt in den Orden,  auch Episoden in seinem Werk erkennen, die von religiöser Hingabe geprägt sind (so zum Beispiel die vierte Consolation mit der Vortragsanweisung ‚avec dévotion‘). Wenn wir uns auf Liszts Musik einlassen, so bedeutet das für den Interpreten zudem der Aufstieg zu einem Gipfel, in gleicher Weise bedingt durch ihre technischen Schwierigkeiten wie durch die Komplexität ihrer Botschaft. Wir gehen im Innersten verwandelt daraus hervor, bereichert um das, was sich als wahrer Weg einer Initiation erweisen könnte. Zuweilen erfasst uns die gleiche Einsamkeit, die ein an seine Bergwand gehefteter Alpinist erfährt, und wir beenden unsere Tour von Emotionen erfüllt, grundlegend gewandelt.

Was könnte gelungener sein als ein Leben, dessen Früchte die Menschen fast zwei Jahrhunderte später noch erfreuen?

Beatrice Berrut, 2017

Lux Aeterna

Die Meditation, Nüchternheit und Bescheidenheit von Bachs Musik sind tief bewegend. In einer Zeit, in der so viel Wert auf das Erscheinen gelegt wird, bleibt seine Musik bestehen, treibt uns zur Introspektion und wirft existenzielle Fragen auf, die trotz der Jahrhunderte unverändert bleiben. Transkriptionen für Klavier von Werken von J.S. Bach & Thierry Escaich
Release: Jänner 2015

Unsentimental und geistvoll. Und das hat nicht nur mit der Wahl des Instruments zu tun, aber mit der Artikulation, dem feierlichen Duktus und einem gewissen Erhabenheitskult, der hier um Bachs Musik betrieben wird. Zumal wenn sie so nobel, unsentimental und geistvoll gespielt wird (…) dieser Bach klingt wie aus einer anderen Welt.

Cd-Tipp SWR 2, Susanne Stähr

 

Ich habe absichtlich Bearbeitungen von Busoni, Siloti und Kempff ausgewählt, und nicht fürs Cembalo geschriebene Werke, weil diese Transkriptionen eine Brücke zwischen Bachs Zeit und unserer Zeit werfen. Es ist ein Beweis für die Universalität und Zeitlosigkeit seiner Musik, die jede Generation anspricht.

Beatrice Berrut, 2015

Die kontemplative Natur von Bachs Musik, ihre Strenge und ihre Einfachheit sind tief bewegend. In einer Zeit, wo so viel Wert auf das Aussehen gelegt wird, ist seine Musik wichtiger als je, weil sie uns dazu einlädt, unseren Blick nach innen zu richten und stellt uns wesentliche Fragen, die trotz der vergangenen Jahrhunderte unverändert bleiben.

Die Musik von Thierry Escaich geht ebenfalls auf Bach zurück. Sein jüngstes Klavierwerk wurde vom Choral des Leipziger Kantors inspiriert, wobei sich die Farben des 21. Jahrhunderts einmischen: Sträuße bunter Harmonien, wütende Rhythmen, Momente mystischer Ekstase.

Robert Schumann: 3 Sonaten für Klavier

Die durch und durch genialen drei Sonaten für Klavier von Robert Schumann beinhalten einige der Höhepunkte der romantischen Klaviermusik; ausser möglicherweise der 2. Sonate sind sie zwar weniger bekannt als die Werke Carnaval oder die Fantasie, welche Konzertpianisten gern in ihr Repertoire aufnehmen. In jenem Werk wird man getragen von der ungestümen Inspiration des jungen deutschen Künstlers sowie von einer innerlichen Forderung die uns sofort berührt, von der (sehr freien) Form von Beethoven und vom romantischen Geist von Schubert abstammend.

This is a mostly impressive debut recording by the Swiss pianist Beatrice Berrut (…) she has the work’s considerable technical difficulties entirely under control (…) She plays the second movement of the Third Sonata as expressively as Horowitz.

Fanfare, Paul Orgel (USA)

 

Schumann komponierte die drei Sonaten in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts, jene Jahre, in denen sein Genie zur Blüte gelingt, die aber auch durch dramatische Ereignisse geprägt sind: der Tod seiner Schwester Rosalie, die Lähmung seiner rechten Hand – die seiner vielversprechenden Karriere als Virtuose ein Ende setzt – eine Liebschaft, bei welcher er sich Syphilis zuzieht, und schließlich die Lösung seiner Verlobung mit der Tochter eines reichen böhmischen Barons. Ende 1835 ist es die vom Vater Friedrich Wieck missbilligte Liebe zu Clara Wieck, die er vor Gericht verteidigen muss, um Clara endlich 1840 zu heiraten. Die Persönlichkeit der jungen Frau (1819 geboren) durchdringt alle drei Sonaten.

Licht senden in die Tiefen des menschlichen Herzens – des Künstlers Beruf!

Robert Schumann, ( 1810 – 1856 )

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